Neues Gefahrstofflager im Chemiepark Knapsack besichtigt

Das erste Netzwerktreffen des Jahres von ChemCologne fand am 26. April 2016 im Feierabendhaus der InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG statt. Der Themenschwerpunkt „Chemielogistik im Rheinland“ hatte für eine sehr gute Besucherresonanz gesorgt. Denn nicht erst seit Veröffentlichung der gleichnamigen ChemCologne-Studie in 2014 spielt das Thema Logistik für die hiesige Chemie-Region eine bedeutende Rolle. Die Kombination aus den vielfältigen Infrastruktureinrichtungen und Verkehrsträgern ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Dies betonte auch Dr. Clemens Mittelviefhaus, Geschäftsleitung InfraServ Knapsack und stellvertretender Vorsitzender von ChemCologne, in seiner Eröffnungsrede und unterstrich dabei auch die Bedeutung und Lebendigkeit des Chemieparks Knapsack, „wo von den Unternehmen am Standort kräftig investiert wird“.  Als Beispiel nannte Mittelviefhaus die neue Produktionsanlage von Bayer CropScience und das neue Gefahrgutlager für Tank-Container im Terminal Knapsack Cargo, das die Gruppe später im Anschluss an einen Vortrag von Wolfgang Urmetzer, Geschäftsführer der KCG Knapsack Cargo GmbH, auf dem Chemiepark-Gelände besichtigte: „Ausschlaggebend für das Projekt ‚LCC – Lager für Chemikalien in Containern’ war, dass wir hier als Betreiber des Terminals drei Kunden vor Ort haben mit dem großen Bedarf mit Gefahrgut beladene Tankcontainer zwischenlagern zu können.“

Am Bedarf der bekannten Kunden und der Markteinschätzung orientiert, wurde eine Kapazität von 144 LE geplant. Die maximale Lagerkapazität beträgt 4.220 Tonnen und verteilt sich auf neun Lagertassen. Das Vorhaben erforderte die Genehmigung nach §4 BImschG mit Öffentlichkeitbeteiligung. Die Behörden stuften die Anlage als genehmigungsfähig ein. Ein Antrag auf Zulassung des vorzeitigen Beginns gemäß § 8a BImSchG wurde gestellt und die Zulassung im März 2015 erteilt. Die Fertigstellung erfolgte am 15. März 2016.  

Investiert wurden rund zwei Millionen Euro. Die Lagertassen wurden in diesem Rahmen so dimensioniert, dass sie das maximale Volumen eines Tankcontainers plus Löschwasser und Sicherheitszuschläge aufnehmen können. Hochmoderne Sicherheitstechnik mit entsprechenden Brandmeldekabeln (Temperaturmesskabel in den Auffangtassen), Leckage-Erkennung (Radar-Füllstandüberwachung der Pumpensümpfe) und für den Lagerabschnitt B (Phosphor) eine Video-Überwachung zur Rauch-Detektierung sowie zwei Wassernebelkanonen und Flutungseinrichtungen zum Fluten der Auffangtassen und last but not least eine Verriegelung der Container auf 0-Meter zwecks Erdbebensicherheit.

Insgesamt verfügt das KCG Terminal über eine Fläche von 12.000 Quadratmetern und eine Stellplatz-Kapazität von 650 TEU, es existiert eine tägliche Zugverbindung zwischen Knapsack und Köln-Niehl-Hafen. Die Umschläge im Terminal 2015 betrugen 26.000 TEU.

Abgerundet wurde die Veranstaltung von zwei Gastvorträgen. Dr. Jürgen Scholz, Geschäftsführer der RMR Rhein-Main-Rohrleitungstransportgesellschaft mbH in Köln-Godorf, stellte das 1965 gegründete Transport-Unternehmen für die Mineralöl-und Chemieindustrie vor, das zu 63 Prozent der Shell-Gruppe, zu 35 Prozent der BP-Gruppe und zu zwei Prozent der Exxon Mobile Gruppe gehört. RMR beschäftigt ist Eigentümer einer 523,7 Kilometer langen Produkten-Pipeline von der deutsch-niederländischen Grenze bis Frankfurt und Ludwigshafen und ist angeschlossen an die 154,7 Kilometer lange Produkten-Pipeline der der RRP von Rotterdam bis zur niederländisch-deutschen Grenze. Das jährliche Transportvolumen beträgt elf bis zwölf Millionen Tonnen beziehungsweise 15 bis 16 Millionen Kubikmeter. Das entspricht etwa 400.000 Straßentankzügen oder 300.000 Kesselwagen oder 10.000 Tankschiffen. Ein Viertel davon wird in der Region ein- und ausgespeist. RMR transportiert mehr als ein Viertel des gesamten Rohbenzinverbrauchs in Deutschland, davon gehen zwei Drittel in die Region. Mehr als ein Drittel des RMR-Transports entfällt auf Einsatzprodukte für die chemische Industrie. Im Durchschnitt, so Scholz, kostet ein transportierter Tonnenkilometer nur gut ein Drittel des Transportes mit Tankschiffen.

Volker Hassenflug, Leiter des Portals mobil-im-rheinland, referierte abschließend über das Projekt „Effiziente und stadtverträgliche Lkw-Navigation Metropolregion Rheinland“. Vorbild ist ein ähnliches Projekt im Ruhgebiet der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (wmr). LKW können dort auf speziell ausgewiesenen Vorrangrouten schneller, sicherer und umweltverträglicher ans Ziel gelangen. Die auf Lastwagen abgestimmte Streckenführung in den Navigationsgeräten führt die Fahrer auf Straßen, die für den Schwerverkehr ausgelegt sind. Projekte dieser Art werden angesichts zu erwartender Herkules-Aufgaben für die Verkehrsplaner immer bedeutsamer.