Vorhandene Technologien konsequenter nutzen

Gruppenbild BranchenForum ChemieLogistik 2017

Unter dem Motto „Innovationen in der Chemielogistik“ trafen sich Ende März über 130 Teilnehmer aus Chemie, Logistik und Industrie zum sechsten Branchen-Forum ChemieLogistik des LogistikClusters NRW. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die erneut im Hürther Feierabendhaus des ChemCologne-Mitglieds InfraServ Knapsack stattfand, stand das Thema „Automatisierung und Digitalisierung“. Eine Herausforderung für die Chemielogistik – da waren sich alle Referenten einig. Hier müsse noch einiges getan werden, um im globalen Wettbewerb langfristig zu bestehen.

„Vorhandene Technologien müssen konsequenter genutzt werden“, forderte Dirk Emmerich, Vorstand des clustertragenden LOG-IT Club e.V., in seiner Einführung. Lediglich 50 Prozent der Logistikimmobilienbesitzer nutzten Automatisierung. „Erschreckend wenig“, stellte Emmerich fest. Auf der anderen Seite wären 71 Prozent der Tätigkeiten im Lager- und Transportbereich geeignet, automatisiert zu werden. Ergriffen werde diese Chance allerdings kaum. „Um das Logistikland Nr. 1 in Europa zu bleiben, müssen wir noch einiges tun.“

Die nachfolgenden Referenten des von InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG, VVWL NRW, ChemCologne und BVL Regionalgruppe Rhein organisierten Forums lieferten spannende Beispiele aus der Praxis. Neben Jochen Köppen, Rob Kroon (Fier Automotive) und Rafael Siebert (Shell Deutschland Oil GmbH) gab Astrid-Karoline Lamm von der Bosch Sicherheitssysteme GmbH einen Einblick in die Möglichkeiten von Logistik 4.0. Mittels Sensorik, Software und Service könnten die Bosch-Systeme nicht nur Standort und Zustand eines LKWs ermitteln, sondern auch von einzelnen Waren („Tracking & Tracing“). „In Zukunft wird die Ware smart sein“, so Lamm.

Auch Jochen Frömming präsentierte die smarten Lösungen der SSI Schäfer / Fritz Schäfer GmbH: Von einzelnen Handling- und Kamerasystemen über kommunizierende Roboter bis hin zum vollautomatisierten Warenlager. Dabei stellte er fest: „Die Aufgabenstellung wird immer komplexer: Früher waren Läger maximal 5.000 Quadratmeter groß, heute bereits ein Vielfaches. Die Durchlaufzeiten haben sich von Wochen auf wenige Stunden reduziert.“

Komplexere Produktionsabläufe, Globalisierung, demografischer Wandel und Sicherheit sind nur einige der Herausforderungen, die die Referenten in der anschließenden Podiumsdiskussion identifizierten. Herausforderungen, die durch Automatisierung und Digitalisierung fortschrittlich und effektiv gemeistert werden könnten. Zwar hänge die Chemiebranche anderen Industrien hinterher, dennoch sei Bewegung zu erkennen. Die Referenten betonten, dass man sich in einem Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Wettbewerbsdruck bewege, das sich nur durch die konsequente Nutzung der vorhandenen Technologien lösen lasse. Einen wesentlichen Effizienzhebel sehen die Diskutanten weiterhin in der unternehmensübergreifenden Kooperation – allerdings müssten sich die Unternehmen dazu öffnen und anderen Beteiligten der Logistikkette ihre Informationen zur Verfügung stellen. Hier besteht der größte Nachholbedarf.