Braunkohle bleibt unverzichtbar

 Prof. Dr. Reinhold O. Elsen

Das jüngste ChemCologne-Netzwerktreffen fand am 13. März 2018 im Schulungszentrum der RWE Power im Schloss Paffendorf in Bergheim statt. Karl-Heinz Stauten, Geschäftsführer der RV Rheinbraun Handel und Dienstleistungen GmbH in Köln, begrüßte die Gäste und informierte neben dem weiteren Tagesablauf kurz über die beschlossene Aufteilung der RWE Innogy zwischen E.ON und RWE, die sich bis Mitte/Ende 2019 erstrecken werde: Das Netz- und Vertriebsgeschäft wird sich demnach zukünftig in der E.ON wiederfinden, das gesamte operative Erzeugungsgeschäft wandert zur RWE. Dies gilt auch für den Teil der regenerativen Energien, den die E.ON zurzeit noch betreibt.

Dann gab Michael Eyll-Vetter, Leiter Tagebauentwicklung bei RWE Power, einen Überblick über die Braunkohle-Aktivitäten in der Region. Dabei  verdeutlichte er die nach wie vor große Bedeutung der Braunkohle für die Energiewirtschaft. In seinen Ausführungen wurde deutlich: Die Netzeinspeisung der erneuerbaren Energien ist mit sehr hohen Schwankungen verbunden. Flexible konventionelle Kraftwerke mit hoher Verfügbarkeit sind die idealen Partner, die stabile Netze und Versorgungssicherheit garantieren. Braunkohle bleibt daher langfristig für die Bereitstellung von gesicherter Leistung unverzichtbar.

Derzeit stammt rund ein Viertel des Stroms in Deutschland aus Braunkohle. Der einzige heimische Energieträger birgt keine Transportrisiken, kommt ohne Subventionen aus und kann in großen Mengen zu wettbewerbsfähigen Kosten bereitgestellt werden: Die genehmigten Lagerstättenvorräte sichern die Energieversorgung langfristig ab.

Eyll-Vetter mahnt an, die Energiepolitik nicht nur unter nationalen Klimaschutz-Aspekten zu betrachten. Klimaschutz ist in einem europäischen Kontext zu betrachten, um Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit nicht zu gefährden. So würden europäische Energie- und Klimaschutzziele klare Regeln schaffen und die Einhaltung der Paris-Ziele sichern. Es dürfe daher keinen Ausstieg aus der Kohle durch nationale Alleingänge geben. Vielmehr sei die Braunkohle fester Bestandteil der Neuaufstellung der RWE AG. Das Unternehmen bleibe ein verlässlicher Partner für die Region mit einem konkreten Fahrplan bis zur Mitte des Jahrhunderts. Entsprechend investiert RWE in Forschung und Entwicklung und eine langfristige Nachwuchssicherung und  sichert damit die Zukunftsfähigkeit des heutigen Kerngeschäfts. Die drei Tagebaue in Inden, Garzweiler und Hambach sollen langfristig weiter betrieben und vollständig ausgekohlt werden.

Anschließend wurde die Veranstaltung im Innovationszentrum Kohle am RWE Power Kraftwerk Niederaußem fortgesetzt. Prof. Dr. Reinhold O. Elsen, Leiter Forschung und Entwicklung der RWE Power, gab den Teilnehmern einen Überblick über die Potenziale für den Einsatz von Braunkohle in der stofflichen Nutzung und stellte hierzu diverse Projekte vor. So lassen sich aus Braunkohle mittels Vergasung und Synthese Synthesegas, synthetisches Erdgas, Chemikalien (z.B. Naphtha, Wasserstoff, Essigsäure, Methanol, Ammoniak), Kraftstoffe oder Wachse - unter anderem für Kosmetikprodukte- erzeugen. Es wurde deutlich: Braunkohle kann einen Beitrag zur Diversifizierung der Rohstoffversorgung leisten. Die stoffliche Nutzung fördert dabei die Integration von erneuerbaren Energien und konventioneller Stromerzeugung. Über die Einbindung von Abfall- und Reststoffen sowie CO2 lassen sich zudem Wege zur nachhaltigen Kohlenstoffwirtschaft in zunehmend geschlossenen Kreisläufen erschließen. RWE entwickelt mit Partnern  die erforderlichen Techniken hierzu.

Die Zuhörer zeigten sich verblüfft von den Möglichkeiten und der Vielzahl der Projekte, wie Dr. Gerhard Obernosterer vom ChemCologne-Mitglied Clariant bemerkte: „Das hört sich wirklich klasse an. Ich frage mich nur, wieso dies in der aktuellen gesellschaftlichen Wahrnehmung nicht entsprechend positiv und stark besetzt ist.“ Elsen räumte ein, dass hier noch sehr viel Nachholbedarf bestehe. Wichtig sei es, dass man junge Leute und politische Kreise mit diesen Themen erreiche. Und Kollege Stauten ergänzte: „Sowohl in der Landes- als auch in der Bundespolitik ist das Thema angekommen. Es ist virulent, aber es gehört noch nicht zum Mainstream. So rücken manche Dinge, die eigentlich sinnvoll sind, in den Hintergrund.“

Abgerundet wurde das informative Netzwerktreffen mit einer Besichtigung des Kraftwerks Niederaußem und des Innovationszentrums Kohle.